SZ_1972_09_30 Aus dem ehemaligen Gefängnis soll ein Treffpunkt der Jugend werden
Gutbesuchte Informationsveranstaltung der Initiativgruppe Jugendzentrum
Die von der Initiativgruppe Jugendzentrum Riedlingen durchgeführte Informationsveranstaltung war mit etwa 450 Anwesenden gut besucht. Mit der Veranstaltung wollte sich die Initiativgruppe in der Oeffentlichkeit vorstellen und sich eine breitere Basis in der Jugend verschaffen. In kurzen Referaten informierten Mitglieder der Gruppe über die Frage der Notwendigkeit eines Jugendzentrums, über die bisherige Arbeit und derzeitige Situation der Gruppe. Weiterhin wurden die Zielvorstellungen, die die Veranstalter mit dem Jugendzentrum verbinden, dargelegt und anhand eines Satzungsentwurfs über die geplante Organisationsform des Jugendzentrums berichtet. Zwischen und nach den Referaten unterhielten die „Power-Play“ die Anwesenden.
Um eine klare Zielsetzung zu ermöglichen, wurde zuerst die Frage aufgeworfen, warum ein Jugendzentrum notwendig ist. Die Situation in Riedlingen und Umgebung bietet Jugendlichen wenig Gelegenheit zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung. Viele Jugendliche verbringen ihre Freizeit deshalb entweder allein zu Hause oder mit einer Gruppe von Freunden in Gaststätten. Oft kommen sie dabei nicht mit anderen Jugendlichen als mit denen aus der Gruppe zusammen, Deshalb müssen Räumlichkeiten geschaffen werden, in denen die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme gegeben ist. Weiterhin sollte es den Jugendlichen ermöglicht werden, selbst etwas zu gestalten und zu organisieren, um so neue Interessen zu finden und die schon vorhandenen besser verwirklichen zu können.
Aus diesen Ueberlegungen heraus hatten sich Ende 1971 interessierte Jugendliche in Riedlingen zu einer Initiativgruppe zusammengeschlossen. Nach dem mißglückten Versuch, einen Raum auf privater Ebene zu finden, hatte man sich an die Stadtverwaltung mit der Bitte um Ueberlassung des ehemaligen Gefängnisses gewandt. In der Gemeinderatssitzung vom 30. Juni 1972 hatte sich der Gemeinderat positiv zu diesem Vorhaben geäußert. Bei einer Besichtigung des Gefängnisses mit Stadtbaumeister Rothenbacher legte die Initiativgruppe ihre Vorstellungen zur Durchführung der nötigen Umbauarbeiten dar.
Die sehr hohen Kosten können von der Stadt allein nicht getragen werden, weshalb die Initiativgrupe sich bereit erklärte, einen Teil der Umbauarbeiten selbst zu übernehmen. Dies ist allerdings bei der derzeitigen finanziellen Situation der Gruppe mit großen Schwierigkeiten verbunden. Es werden daher Fachkräfte gesucht, die sich bereit erklären, auch für beschränkte Entlohnung Installationsarbeiten etc. durchzuführen.
Nach dieser Schilderung der Situation der Initiativgruppe wurde in weiteren Referaten über die Organisation und die Ziele des Jugendzentrums berichtet: Durch gezielte Information soll bei den Jugendlichen ein kritisches Bewußtsein geschaffen werden, wodurch sie ihre Lage besser erkennen können, und dadurch besser imstande sind, ihre Probleme zu lösen, Arbeitskreise sollen eingerichtet werden, deren Themen handwerklicher, politischer oder kultureller Art sein können, in denen durch gemeinsame Arbeit eine bessere Kommunikation auch zwischen Schülern und Lehrlingen erreicht werden soll. Weiterhin wird ein Programm ausgearbeitet, das Filme, Vorträge und Musikveranstaltungen beinhalten wird.
Die Initiativgruppe wird sich unter Umständen als Verein eintragen lassen. Der dazu nötige Satzungsentwurf liegt schon vor; es wurden daraus im wesentlichen folgende Punkte zitiert: Jeder, der das 14. Lebensjahr vollendet hat, kann aufgenommen werden. Alle Mitglieder zusammen bilden die Vollversammlung; sie wählt den Vorstand und einen Sprecher und kann Beschlüsse des Vorstandes jederzeit revidieren. Die Mitglieder, haben das Recht. Vorschläge zur Gestaltung des Programms o. ä. an den Vorstand einzureichen, über die dieser entscheiden muß. Anfallende Arbeiten werden gleichmäßig auf die Mitglieder verteilt. Der Mitgliedsbeitrag wird von der Vollversammlung festgelegt und wird fünf Mark vierteljährlich nicht überschreiten.
Nach diesen Referaten wurde noch über die vorher erwähnten Punkte diskutiert, wobei man jedoch infolge der hohen Zahl der Anwesenden zu keinem befriedigendem Ergebnis kam, Deshalb wird die Initiativgruppe in nächster Zeit noch eine reine Informationsveranstaltung ohne Musik in kleinerem Rahmen durchführen.
